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Miteinander Wohnen - Grundgedanke
Die Wohngemeinschaft solarCity, mit Ihren Satellitenwohnungen, besteht seit dem Juni 2005 und wurde im Rahmen der Wohnoffensive der Sozialabteilung mit Mitteln des Landes Oberösterreich errichtet. Neben der solarCity hat die Miteinander GmbH noch weitere Wohnprojekte nach diesem Vorbild geplant und auch bereits realisiert, wie auch viele weitere Träger in Oberösterreich, die in der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigungen tätig sind.

Der verstärkte Ausbau von Wohnangeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen in Oberösterreich wurde deshalb notwendig, da mit Stand März 2004 bei der Abteilung Behindertenhilfe des Landes Oberösterreich bereits 788 Menschen mit Assistenz- und Begleitungsbedarf für eine Veränderung ihrer Wohnsituation vorgemerkt waren. Davon benötigten bzw. benötigen rund 520 Menschen dringend eine neue Wohnmöglichkeit! Der überwiegende Teil jener Menschen, die dringend einen neuen Wohnplatz suchen, lebt heute zu Hause bei den Angehörigen. Im Sinne einer vergleichbaren Entwicklung bei nicht beeinträchtigten Jugendlichen und Erwachsenen muss auch für Menschen mit Beeinträchtigungen die freie Wahl des Wohnortes und der Wohnform möglich sein.

Viele der betreuenden Angehörigen sind in einem Alter (oft an die 70 Jahre), das einen weiteren Verbleib im elterlichen Haushalt oft unmöglich macht, da z.B. die Sicherstellung der täglich notwendigen Pflege nicht mehr gewährleistet ist, etc..

Die Verfasser des oben angesprochenen Konzepts der Wohnoffensive (Land OÖ, Miteinander GmbH, BBRZ – BFI, Volkshilfe OÖ) orientierten sich bei ihrer Arbeit an folgenden Ideen und Leitgedanken:

Solange es normal ist, behinderte Menschen auszusondern, ist ‚Normalisierung’ eine Strategie, die herrschende ‚Normalität’ selbst in Frage zu stellen

Bereits 1991 gab es eine umfangreiche Darstellung zur Idee der Normalisierung (nicht im Sinne von Normalität) der Lebensbedingungen von Menschen mit Assistenz- und Begleitbedarf.

Begründet war die umfangreiche Dokumentation auf die ersten Erfahrungen des 1000-Wohnplätze-Programms der Gemeinde Wien. Schon damals wurde von der ‚Selbstverwaltung der Bedürfnisse’ und von einer Verpflichtung gesprochen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich Menschen mit besonderen Bedürfnissen selbst integrieren können (also nicht von uns ausschließlich integriert werden).

Das international viel beachtete Konzept der Schaffung von Wohnbedingungen, welches das eben Gesagte in Wien ermöglichte, ist simpel:

  • im Zentrum des Konzepts ist eine so genannte Stammwohnung, die mit einem - den gesamten Alltagshandlungen umfassenden - Assistenz- und Begleitungsbedarf ausgestattet ist
  • von dort ausgehend sind weitere etwas kleinere Wohngruppen, die regelmäßig aber ambulant mitversorgt werden (Entfernung zur Stammwohnung 300 bis 400 m)
  • Einzel- oder Paarwohnungen für Menschen mit geringem Assistenz- und Begleitungsbedarf (damals ‚leichte Fälle’). Auch diese Wohnungen sollen leicht zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.

Das zu Grunde liegende Leitmotiv ist im Normalisierungsprinzip zu suchen:

Räumliche Integration
Funktionale Integration
Soziale Integration (= zwischenmenschliche Ebene)
Personale Integration
Gesellschaftliche Integration (= im Sinne von gesamtgesellschaftlich)
Organisatorische Integration

Das Prinzip der Normalisierung schließt kein Individuum aus, sondern
die umfassende Ausgestaltung der jeweiligen Umwelt ein.

Wesentlich sind uns heute auch Prinzipien des Empowerment-Ansatzes

a) Teilhabe am allgemeinen und öffentlichen Leben
Künftige Wohnangebote sollen das vom Raumkonzept und von der Lage her begünstigen (keine neue „Besonderung“ z.B. durch Randlagen etc.)

b) Die Möglichkeit und/oder Befähigung zum Treffen von Entscheidungen
Auf der Grundlage von Wahlmöglichkeiten.
Die Wahl des eigenen Wohnortes und seiner Beschaffenheit soll nach den individuellen Gegebenheiten möglich sein.

c) Entwicklung von Fähigkeiten
Bestehende Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen im Alltag gut umgesetzt und erhalten werden können. Das engere und weitere Wohnumfeld soll zur Entwicklung neuer Fähigkeiten herausfordern und ermutigen.

d) Achtung und anerkannte soziale Rollen
Wichtig ist die Achtung der eigenen Interessen und Bedürfnisse und die Interessen und Bedürfnisse der MitbewohnerInnen, hier gilt es in einem ständigen Verhandlungsprozess zu stimmigen Bedingungen zu kommen. Bewusstwerden und ‚ausfüllen’ einer sozialen Rolle.

e) Möglichkeit zur Entwicklung von sozialen Beziehungen
Als ‚Nachbar’ wahrgenommen werden, der mit den ihm eigenen Erfahrungen eine weitere wichtige Facette im gesellschaftlichen Zusammenleben darstellt.

Das Ziel der Wohnoffensive ist es, Menschen mit besonderen Bedürfnissen zunächst Wahlmöglichkeiten bezüglich Ort und Struktur einer Wohnalternative anzubieten. Und weiters ist es das Ziel, Menschen mit besonderen Bedürfnissen
zu befähigen, die Möglichkeiten und Alternativen für sich zu erkennen
und die Entscheidungskraft zu stärken, sich neuen Herausforderungen
zu stellen.

(vgl. Konzept der Wohnoffensive ,2005 , Seite 3 ff)